Playlist im Museum

Endlich wird Musik als Ausstellungsgegenstand gewürdigt, und nicht nur als auditiv-dekoratives Beiwerk. Wolfang Tillmans, dessen fotografisches Werk wir schon immer geliebt haben, hat seiner Leidenschaft für Musik, und zwar U-Musik!, nun auch offiziellen Raum in seinem Schaffen gegeben und im Münchner Lenbachhaus einen Sparringspartner gefunden. Eine sehr persönliche Playlist, deren Stücke die musikalische Avantgarde der vergangenen 35 Jahre exemplarisch repräsentieren, abgespielt in einem akustischen Umfeld, das die für uns Normalkonsumenten gewohnten Qualitätsansprüche für immer redundant macht. Tilmanns hat mit seinem Team die Akustik eines Mastering-Studios nachgebildet. Er kreidet nämlich unserer Kulturlandschaft zu Recht an, dass jeder, aber auch jeder denkbaren Variante von Kunst angemessen Raum und Präsenz gegeben wird, nur nicht der "demokratischsten" Form, der Popmusik, die zwar allgegenwärtig scheint, aber bislang an keinem Ort auf der Welt in der technisch machbaren optimalen Tonqualität widergegeben wird. Zur Ausstellungseröffnung kamen sie alle - so dass ein kontemplativer Genuss dieses Musikerlebnisses gestern nicht möglich war. Aber das "Studio" ist fortan während der Öffnungszeiten des Museums für jeden kostenfrei zugänglich. Also auf zu einem so noch nicht erlebten Musikgenuss. Im weiteren Verlauf der Ausstellung werden wir übrigens aufgefordert werden, unsere eigene Playlist in diesem auditiven Ausstellungsraum zu genießen. Überlegt euch schon einmal, welches eurer Lieblingsstücke unpeinlich genug ist, um es öffentlich darzubieten...

Die Schwalben fliegen wieder. Nach der erfolgreichen STROKEART ergänzt seit vergangenem Jahr eine weitere spannende Plattform das Münchner Kunstgeschehen. Ob endlich die Schwellenangst abgebaut wird?

< Mit der Playlist ins Museum
04.04.2017 09:27 Alter: 136 Tag(e)

Fetter Sound

Christian Elsässers sehr coole Bigband


Christian Elsässer

Fetter Sound. Diese Bezeichnung entspricht normalerweise nicht unserem Anspruch an den Umgang mit Sprache. Dennoch: uns ist keine treffendere eingefallen, um das Konzert zu beschreiben, das wir vor einigen Tagen in der Unterfahrt erlebt haben. Christian Elsässers etwa 20köpfige Big Band, hochmotiviert von einem Bandleader, wie wir ihn seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben, besteht aus Top-Solisten, die, jede/r für sich, in fein austarierten Solos angemessen zur Geltung kamen. Eine ungewöhnliche Assemblage aus klassischen Big-Band Arrangements und sehr aktuellen Beats wie House, Techno und sogar Electro verliehen den zumeist vom Leader Christian Elsässer selbst komponierten Stücken neben dem mitreissenden rythmischen Sog eine zwischen verrauchtem Jazzclub und Grand-Hotel mänandernde kristallerne Eleganz. Unbedingt ins nächste Konzert gehen!